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Einsteiger-Seminarreihe „Wirtschaft und Gesellschaft“

Wed, 09/08/2017 - 15:45
„Wirtschaft und Gesellschaft“ Seminarreihe zur Vermittlung und Erarbeitung von Grundlagenwissen - - -

04./05. Nov. 2017 Das Geld im Kreislauf der Wirtschaft - - -

Interessierte jeden Alters erlangen hier das Rüstzeug für die aktive Befassung mit Problemstellungen und Lösungsvorschlägen zum Geld- und Finanzsystem, der Bodenordnung und weiteren, wichtigen Feldern von Wirtschaft und Gesellschaft. - - -

Der Kurs mit Workshop-Charakter wird geleitet von Fritz Andres und Eckhard Behrens und ist ein Projekt des Seminars für freiheitliche Ordnung e. V. in Bad Boll, an dem der Förderverein für Natürliche Wirtschaftsordnung e. V., Essen und der Lernort Wuppertal, getragen vom Freiwirtschaftlichen Jugendverband Deutschland e. V. mitwirken. - - -
Schulungsmaterial, Abschluss-Zertifikat und die Möglichkeit zum Besuch weiterer Aufbaukurse werden geboten. Die Seminare sind einzeln buchbar oder im Ganzen. Ab
Februar 2018 sind weitere aufbauende Seminarwochenenden geplant. Die Teilnahmegebühr beträgt pro Seminarwochenende 50,- €, für Schüler und Studenten 25,- €. - - -

Das Komplett-Verpflegungspaket während des gesamten Seminars (alle Mahlzeiten am Samstag und alkoholfreie Tagungsgetränke, heiß und kalt) kostet 29,- €. - - -

Zusätzlich können preiswerte Übernachtungen in der Tagungsstätte gebucht werden. Anreise Freitag ist möglich. Nähere Informationen siehe Anmeldeformular.
Veranstaltungsort: Silvio-Gesell-Tagungsstätte - Schanzenweg 86, 42111 Wuppertal - Nähere Informationen und Anmeldung unter: http://lernort-wuppertal.de und http://humane-wirtschaft.de - - -

Weitere Termine & Themen: 16./17. Dez. 2017 Auswirkungen einer Geldreform im Sinne Silvio Gesells -- 13./14. Jan. 2018 Die Zukunft der Unternehmensverfassung - - -

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Friedenspreis für Pat Christ – Redaktion

Fri, 21/07/2017 - 10:28
Der 23. Würzburger Friedenspreis geht an Pat Christ - - -

Die freie Journalistin und Autorin der HUMANEN WIRTSCHAFT Pat Christ aus Würzburg erhielt in diesem Jahr diese Auszeichnung aus ihrer Heimatstadt. - - -

Die Preisverleihung findet am 23. 7. 2017 im Mainfranken-Theater in Würzburg statt. - - -

Aus dem Flyer zur Preisverleihung: Mit der Verleihung würdigt das Friedenspreiskomitee das Engagement, mit dem sich Pat Christ durch die Mittel des Schreibens für den sozialen Frieden in der Region einsetzt. Sie lenkt die Aufmerksamkeit auf die Menschen mit ihren Interessen und Nöten und auf das direkte gesellschaftliche oder politische Umfeld, das die Menschen manchmal mehr behindert als fördert. „Ich glaube, dass freie Medien eine große Rolle beim Erhalt von Frieden spielen.“ Das Recht auf freie Meinungsäußerung und auf unzensierte Pressearbeit beschreibt das Grundverständnis von Pat Christ als Journalistin. Auch in einer vordergründig friedlichen Gesellschaft wie hierzulande sei es notwendig, bei den Recherchen hinter die Kulissen zu blicken und darüber die Öffentlichkeit zu informieren – anerkennend oder kritisch. - - -
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Beeinflussung und Manipulation in der ökonom. Bildung – Silja Graupe

Thu, 20/07/2017 - 18:31
Hintergrund - - -

Wussten Sie, dass die ökonomische Bildung weltweit standardisiert ist und damit die Denkweisen von Millionen von Studierenden zu prägen vermag? Und dass dabei wenige Lehrbücher eine maßgebliche Rolle spielen? In den letzten Jahren sind nun ausgerechnet diese Lehrbücher national wie international in die Kritik geraten. Sie verstellten nicht nur durch ihre Weltferne den Blick auf die realen Prozesse der globalisierten Wirtschaft, sondern indoktrinierten zudem. - - -

Was ist dran an dieser Kritik? Und was genau erweist sich als problematisch? Diesen Fragen bin ich in der Studie im interdisziplinären Dialog insbesondere von Ökonomie und Kognitionswissenschaften anhand zentraler Beispiele nachgegangen. Nach Abschluss der Studie bin ich, das muss ich zugeben, selbst erschrocken darüber, was ich herausgefunden habe: Der Vorwurf der unbewusst bleibenden Beeinflussung der Meinungsbildung von Studierenden lässt sich weit stärker erhärten, als ich es selbst je erwartet hätte. Und mit einer objektiven Wissenschaft hat dies alles sehr wenig zu tun. Lesen Sie selbst! - - -

Anlass und Gegenstand der Studie - - -

Die Studie geht der Frage nach, ob und auf welche Weise Studierende in der ökonomischen Bildung möglicherweise indoktriniert werden. Hierfür untersucht sie anhand von Beispielen den potenziellen Einfluss der ökonomischen Standardbildung an Hochschulen auf grundlegende Denk- und Handlungsweisen. Wie können Studierende zur unkritischen Übernahme nicht nur von Wissen, sondern auch von grundlegenden Weltanschauungen, Wertungen und Selbstbildern verleitet werden? - - -

Zur Methodik - - -

Am Beispiel von zwei Standard-lehrbüchern – den Economics von Paul A. Samuelson und William D. Nordhaus und den Economics von N. Gregory Mankiw – werden durch sprach- und textbasierte Analysen detailliert Formen von zumeist unbewusst bleibender Beeinflussung nachgewiesen. Die Untersuchungen stützen sich auf die Kognitionswissenschaften (insbesondere die kognitive Linguistik, die experimentellen Neurowissenschaften und die Psychologie), auf die Beeinflussungsforschung (etwa im Rahmen der PR und des Marketings) und auf die Lerntheorie (beispielsweise von Meyer und Land, auf die sich Mankiw konkret bezieht). Im Vordergrund steht exemplarisch die Analyse, auf welche Weise der Marktbegriff in der Lehre eingeführt wird. - - -

Die Studie lässt sich von der kognitionswissenschaftlichen Einsicht leiten, dass ein Großteil menschlicher Wahrnehmungs- und Denkweisen normalerweise unbewusst bleibt. Das überwiegend unbewusste Denken und Handeln prägt den Menschen fundamental, ohne dass er es im Einzelnen wahrnimmt und reflektiert oder gar kontrollieren kann. Es ist stattdessen von gedanklichen Deutungsrahmen, in der Fachsprache der Kognitionswissenschaften frames genannt, geprägt, die ohne unser Bewusstsein Sprache und Erfahrungen miteinander koppeln: „Wann immer unser Gehirn Worte und Ideen verarbeitet, aktiviert es dazu Wissen und Sinnzusammenhänge aus vorangegangen Erfahrungen mit der Welt“ (Wehling 2016, S. 21). - - -

Die Studie untersucht an ausgewählten Textbeispielen, wie die ökonomische Standardbildung diese Verarbeitung und Aktivierung beeinflussen kann. Sie bemüht sich hierbei auch um einen interdisziplinären Austausch mit der Ideengeschichte und der Erkenntnistheorie. So soll aus unterschiedlichen Perspektiven sichtbar gemacht werden, welche Stilmittel bzw. rhetorische Figuren, die kaum zu erkennen sind, in den ökonomischen Standardlehrbüchern wirken und Wahrnehmung verändern können. - - -
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Jede Menge Geld – Andreas Bangemann

Wed, 19/07/2017 - 18:44
Bargeld, hochgeschätzt und unerwünscht - - -

Es ist paradox. Noch nie war so viel Bargeld außerhalb der Bankenwelt. Gleichzeitig liefern sich Experten ein von Widersprüchen geprägtes Gefecht um die fälschungssicheren Scheine der Europäischen Zentralbank. Die Deutsche Bundesbank ist stolz auf die Beliebtheit der Geldscheine, während der Finanzminister eine Obergrenze von Barzahlungen gutheißt. Die Bundesbürger schätzen am Bargeld die leichte Handhabung und die Anonymität der Zahlungsvorgänge. Für Politiker ist Letzteres ein Dorn im Auge. Studie um Studie wiederholt Gefahren, wie zum Beispiel Schattenwirtschaft, Terrorismusfinanzierung oder die organisierte Kriminalität, zu welchen Bargeld zur Vernebelung widerrechtlicher Machenschaften genutzt würde. Die Kampagnen von Banken zur freiwilligen Umerziehung hin zu bargeldlosen Zahlungen laufen ins Leere. Zumindest in Deutschland. Die Rufe nach Zwangsmaßnahmen nehmen zu und tragen noch mehr zur Verwirrung bei. - - -

Dieser Beitrag soll der Einschätzung der Rolle des Bargelds in Wirtschaft und Gesellschaft dienen und etwas Licht in die Welt der Geldmengen bringen. - - -

Kenneth Rogoff zitiert in seinem Buch „The curse of cash“ (wörtlich: „Der Fluch des Bargelds“ die deutsche Übersetzung des Buchtitels lautet allerdings: »Der Fluch des Geldes«) Dostojewski mit dem Spruch „Bargeld ist geprägte Freiheit“, aber er kommt zum Schluss, dass diese Freiheit nur jenen zugutekäme, die Schädliches damit im Schilde führten. Die kriminellen Bargeschäfte oder die Tatsache, dass nur ein geringer Prozentsatz des insgesamt umlaufenden Bargelds in der Wirtschaft genutzt wird, sprächen für eine Abschaffung. - - -

Diese Auffassung untermauert der Autor einer Studie des IWF. Bargeld spielt demzufolge bei »normalen« Wirtschaftsteilnehmern nur eine Rolle bei zu zahlenden Kleinstbeträgen bis 20,- € (bzw. Dollar). Je höher der Nominalwert der Banknoten, desto unbedeutender ihr Umlauf in der Wirtschaft. Bereits die 100-€-Note ist an den Ladenkassen nahezu irrelevant. Zusammen mit den noch seltener genutzten 200er und 500er-Noten summieren sich diese Notengrößen wertmäßig trotzdem auf rund 60 % des insgesamt ausgegebenen Bargelds. - - -

Rogoff und der IWF zählen zu den mit Macht ausgestatteten Bargeldgegnern. Ihnen stehen die „freien Bürger“ gegenüber, die noch die Wahl zu haben scheinen, womit sie bezahlen. - - -

Der Buchautor und Finanzmarktanalytiker Brett Scott spricht von eklatantem Marktversagen, wenn auf einem vorgeblich freien Markt Individuen zu bestimmten Zahlungsweisen gezwungen werden, die letztlich dazu führen, dass Tauschgeschäfte nicht zustande kommen. Man müsse gemäß Scott verstehen, dass wir mit zwei Arten von Zahlungsmitteln leben. Auf der einen Seite dem physisch greifbaren Geld in Form von Münzen und Scheinen – er nennt es »Staatsgeld« oder öffentliches Geld – zum anderen jenem, das nur in Form von Datenobjekten in Geschäftsbanken als »Merkwerte« aufbewahrt wird. Anstatt Geldscheine zu transportieren, »verschieben« wir sie, indem wir mit technischen Hilfsmitteln Nachrichten an die Bank senden, mit der Bitte, Daten unseren Wünschen getreu zu verarbeiten. Diese Zahlungsmittel seien kein Staatsgeld mehr, stattdessen im Wesentlichen privat. Sie laufen auf der Infrastruktur eines Kollektivs aus Geschäftsbanken und Zahlungsvermittlern ab, deren vorrangiges Bestreben das nach Profit sei. - - -
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90 Jahre Wuppertaler Freilichtbühne – Jonathan Ries et al.

Wed, 19/07/2017 - 13:45
Der geschichtliche Werdegang der Freilichtbühne am Asbruch - - -

Die Geschichte der Bühne nimmt ihren Anfang in den späten 1920er Jahren. Die Freiwirtschaft Silvio Gesells sorgte für Aufsehen. Der Unternehmer und von John Maynard Keynes in dessen Hauptwerk gelobte Wirtschaftsreformer lebte von 1862 bis 1930. Gesells "Die Natürliche Wirtschaftsordnung durch Freiland und Freigeld" erschien 1916. Die darin beschriebene alternative Ökonomie hatte auch im bergischen Land eine beträchtliche Anhängerschaft und traf hier auf eine weitere starke Strömung: die der
Jugendbewegung mit ihrer Hinwendung zur Natur. Aus dem Zusammenfließen dieser beiden Bewegungen entstand 1927 der Freiwirtschaftliche Jugendverband Deutschland (FJvD) gegründet von Jugendlichen aus dem Bergischen Land und dem Ruhrgebiet. Sie alle waren durch Vorträge und Schriften mit den Erkenntnissen Silvio Gesells in Berührung gekommen. Man setzte große Hoffnung in eine sicherere und friedlichere Zukunft durch Veränderungen im bestehenden Geld- und Bodenrecht. Die Jugendlichen unterstützten die Veranstaltungen der FFF-Bewegung (Freigeld, Freiland, Festwährung). Sie sangen, musizierten und führten Volkstänze auf. Sie wanderten mit FFF-Wimpeln durchs Land, gekleidet in grüne Kittel.- - -
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Jahresfeier 2017 – Terminhinweis der Redaktion

Wed, 19/07/2017 - 13:20
Jahresfeier der HUMANEN WIRTSCHAFT 2017 vom Freitag, den 22. September 2017 bis Sonntag, den 24. September 2017 - - -

Die Veranstaltung, die jedes Jahr für außergewöhnliche Begegnungen sorgt. - - -

„Geld und Boden in der Transformation“ Begriffe, Geschichten, Bilder - - -

Tagungsgebühr für das gesamte Wochenende inkl. aller Programmpunkte: 32,– € Regionalwährungen & Tauschangebote (Leistungen und Produkte) werden akzeptiert. - - -

Veranstaltungsort und Anmeldungen: Silvio-Gesell-Tagungsstätte - Schanzenweg 86 - 42111 Wuppertal - Tel.: 02053-423766 - Fax: 02053-423799 - E-Mail: info@sgt-wuppertal.de - - -

„Wissenstransformation“, die „digitale Transformation“, „Innovation und Transformation“, „Weisheit und Transformation“, das Schlagwort begleitet und inspiriert die Arbeit unzähliger Einzelpersonen und Einrichtungen. Wissenschaftler und Bürgerinnen versuchen gemeinsam die Grundlagen für gutes Leben zu erarbeiten. Man will herausfinden, wie Lebensqualität von rein materiellem Wachstum und Ressourcenverbrauch entkoppelt werden kann. Dieses Bestreben in Verbindung zu grundlegenden Fragen der Geld- und
Bodenordnung zu stellen, ist sinnvoll und kann einen wichtigen Beitrag für die gemeinsame Aufgabe leisten. - - -

Auf der diesjährigen Jahresfeier wollen wir uns diesem Zusammenwirken widmen und haben eine Vielzahl von Experten und Aktiven eingeladen. Die Veranstaltung ist öffentlich und wir freuen uns auf viele Besuche aus nah und fern. - - -

Freitag, den 22. September: Workshop mit Steffen Henke zu den Grundlagen des Geldsystems und der aktuellen Beleuchtung des Finanzsystems mit seiner Entwicklung beispielsweise der negativen Zinsen.
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Einsteiger-Seminarreihe „Wirtschaft und Gesellschaft“

Wed, 19/07/2017 - 13:12
„Wirtschaft und Gesellschaft“ Seminarreihe zur Vermittlung und Erarbeitung von Grundlagenwissen - - -

04./05. Nov. 2017 Das Geld im Kreislauf der Wirtschaft - - -

Interessierte jeden Alters erlangen hier das Rüstzeug für die aktive Befassung mit Problemstellungen und Lösungsvorschlägen zum Geld- und Finanzsystem, der Bodenordnung und weiteren, wichtigen Feldern von Wirtschaft und Gesellschaft. - - -

Der Kurs mit Workshop-Charakter wird geleitet von Fritz Andres und Eckhard Behrens und ist ein Projekt des Seminars für freiheitliche Ordnung e. V. in Bad Boll, an dem der Förderverein für Natürliche Wirtschaftsordnung e. V., Essen und der Lernort Wuppertal, getragen vom Freiwirtschaftlichen Jugendverband Deutschland e. V. mitwirken. - - -
Schulungsmaterial, Abschluss-Zertifikat und die Möglichkeit zum Besuch weiterer Aufbaukurse werden geboten. Die Seminare sind einzeln buchbar oder im Ganzen. Ab
Februar 2018 sind weitere aufbauende Seminarwochenenden geplant. Die Teilnahmegebühr beträgt pro Seminarwochenende 50,- €, für Schüler und Studenten 25,- €. - - -

Das Komplett-Verpflegungspaket während des gesamten Seminars (alle Mahlzeiten am Samstag und alkoholfreie Tagungsgetränke, heiß und kalt) kostet 29,- €. - - -

Zusätzlich können preiswerte Übernachtungen in der Tagungsstätte gebucht werden. Anreise Freitag ist möglich. Nähere Informationen siehe Anmeldeformular.
Veranstaltungsort: Silvio-Gesell-Tagungsstätte - Schanzenweg 86, 42111 Wuppertal - Nähere Informationen und Anmeldung unter: http://lernort-wuppertal.de und http://humane-wirtschaft.de - - -

Weitere Termine & Themen: 16./17. Dez. 2017 Auswirkungen einer Geldreform im Sinne Silvio Gesells -- 13./14. Jan. 2018 Die Zukunft der Unternehmensverfassung - - -

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Termine 04/2017

Wed, 19/07/2017 - 12:54
Wien, 26. Juli bis 13. August 2017 „Alternative Economic and Monetary Systems“ Internationale Summer University - - -

Wuppertal, 22. bis 24. September 2017 Jahresfeier HUMANE WIRTSCHAFT Vorträge, Workshops und Begegnungen von Lesern, Autoren und Referenten in der Silvio-Gesell-Tagungsstätte in Wuppertal. - - -

Wien, 26. Juli bis 13. August 2017 „Alternative Economic and Monetary Systems“ Internationale Summer University - - -

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Beeinflussung und Manipulation in der Ökonomischen Bildung

Mon, 10/07/2017 - 10:15

Silja Graupe, Professorin für Ökonomie und Philosophie, Leiterin des Instituts für Ökonomie und Vizepräsidentin der Cusanus Hochschule in Bernkastel-Kues veröffentlicht eine neue Studie.
Über ihre Arbeit schreibt sie auf ihrer Webseite:

Wirtschaft neu zu gestalten – darin liegt eine der großen Herausforderungen unserer Zeit. In Forschung und Lehre gebe ich Beispiel, wie wir uns ihr im interdisziplinären und interkulturellen Dialog stellen können.

Quelle: Beeinflussung und Manipulation in der Ökonomischen Bildung – Hintergründe und Beispiele | Silja Graupe | reshaping economics

Eugen Drewermann – Kapital und Christentum (Band 2)

Sun, 02/07/2017 - 11:03
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Leserbriefe – 03/2017

Sun, 21/05/2017 - 10:10
Die Summe Null - - -

Zu dem interessanten Bericht über diese Ausstellung im Kunstverein Neuhausen eine kleine Anmerkung: Über den „offiziellen“ Vortrag von Heiner Flassbeck wird sehr ausführlich berichtet. Vor allem, dass er die „Regionalwährungen“ nicht ablehnt, aber ihnen wegen der Begrenztheit ihres Wirkungsbereiches keine Bedeutung für seine „Makroökonomische Betrachtung“ zubilligt. Er breitet sich dann über die bekannten Beschreibungen der pessimistischen Beurteilung des Euro aus, den er dem Untergang geweiht sieht. Danach dann wieder zurück auf Start mit aller Misere der regelmäßigen Krisen. Heiner Flassbeck begreift nicht, dass die Haltegebühr der Regionalwährungen auch den „offiziellen“ Währungen die Lösung bringen würde, dass die Welt nicht, wie von ihm beschrieben, in die Welt der Schuldner und der Gläubiger auseinanderfällt. Denn sie fällt gar nicht auseinander, sondern die beiden Hälften gehören zusammen und ergeben – wie er richtig einsieht – die Summe NULL. Die Null ist der Kreis, ist der Anfang der Anfänge, jeder Organismus beginnt in der O-Form des Tropfens. Die Differenzierung folgt in jeder Entwicklung, die zur Organ- und Glied-Bildung führt. Aber durch das Horten des Geldes, das keine Haltegebühr fürchten muss, bleibt die Differenzierung aus und die Wirtschaft verharrt in einem unausgereiften Zustand (die kapitalistischen Monopole sind immer ein Rückfall in die primitiven Zustände der simplen Tauschwirtschaft!). Die Dauerkonjunktur findet nicht statt und überall bilden sich Rückstauungen – auch Blasen genannt. Wenn sie dann platzen, kommt es zu Überschwemmungen und anschließender Leere nach der Überfülle vorher. Deshalb ist der Satz am Ende des Berichtes: „Our Future Starts Now“ noch unvollständig. Er müsste heißen: ...„By Transformation Of The Worldwide Frozen Wealth Into Life Spending Liquidity.“ Merke: „Eine Pflanze, die nicht gegossen wird, verdorrt!“ - - -

Des Weiteren zu Christan Mayer „Ökonomisches Denken nach dem Crash“ - - -

Es kann dem Autor nicht genug gedankt werden, dass er eine ausführliche Besprechung des genannten Buches geliefert hat, das seinerseits wieder mit einer umfassenden Kritik an den derzeitigen Lehrgebäuden aufwartet, welche den Studierenden der Ökonomie aufgehalst werden, die durchgehend in der Wirklichkeit scheitern. - - -

Gerhardus Lang, Bad Boll - - -

Eine Geldwende ist nötig – zu Gero Jenner „Prof. Dr. Hubers Vollgeldtheorie – Auf Sand gebaut?“ in Ausgabe 02/2017 - - -

„Humane Wirtschaft“ hat für mich auch den Aspekt, dass es Menschen sind, die miteinander wirtschaften. Geld wurde dazu von Menschen geschaffen und auf unterschiedlichste Art gestaltet. Geld ist kein Naturprodukt. Je näher das Geld dem „Kleinen Manne“ gekommen ist, desto weniger Eigenwert und sogar Materialität hat es behalten. Von der Münze aus Edelmetall zur münzengedeckten Banknote zum notengedeckten Buchgeld und den durch nichts als Übereinkunft gedeckten digitalen Währungen führt ein verschlungener Entwicklungspfad mit Verzweigungen, Umleitungen und Sackgassen. - - -

Bankpraxis kann hilfreich sein, bei der Beurteilung von Bankpraxis. Die Giralgeldschöpfung der Geschäftsbanken ist durch zwei Leitplanken begrenzt. - - -

Die mit der Aktivbuchung verbundene Forderung an den Kreditnehmer unterliegt einem Ausfallsrisiko. Dieses ist nicht abhängig von anderen Krediten (sieht man vom Klumpenrisiko ab) und bezieht sich ausschließlich auf den Bilanzwert der Forderung selbst. Steht der in Frage, wird eine Einzelwertberichtigung gebildet. Grenze für die Erweiterung der Kreditforderungen ist das Eigenkapital. - - -

Die mit der Passivbuchung verbundene Leitplanke hat mit der Liquidität der Bank zu tun. Die Bank muss ihre Verbindlichkeiten erfüllen können. So auch die mit der Kreditforderung verbundene. Ob sie das kann, hängt nicht nur von dem Kreditnehmer ab, sondern von allen anderen Kunden auch. Und zwar täglich. Über den Zahlungsverkehr gehen Zahlungen heraus und kommen herein. Verbindlichkeiten werden bei einer Bank gelöst und einer anderen neu eingegangen. Wenn der Verbindlichkeiten-Tausch zwischen Bank A und Bank B nicht genau aufgeht, müssen Reserven fließen. Reserven sind Verbindlichkeiten der Zentralbank oder anderer Banken. Die Reserven der Bank sind ihre Zahlungsmittel auf der Aktivseite, die Zahlungsverpflichtungen ergeben sich aus der Passivseite. Dabei werden Tilgungsraten von Krediten genauso termingerecht wie fällig werdenden Festgelder berücksichtigt. - - -

Grenze für das Eingehen neuer Verbindlichkeiten ist die Sicherstellung, dass immer alle Zahlungsverbindlichkeiten erfüllt werden können. Beide Grenzen unterliegen einer monatlichen Meldepflicht. Die Liquiditätsgrenze ist leichter einzuhalten als die Risikogrenze, weil Banken es leicht haben, sich taggenau zusätzliche Liquidität bei der Zentralbank, anderen Banken oder durch den Verkauf eines Wertpapiers aus der Liquiditätsreserve zu besorgen. Jenner stellt die These auf, „Spareinlagen aus dem Nichts zu schöpfen, ist schlicht zu teuer“. Da hat er etwas fundamental missverstanden. Bei der Kreditvergabe werden täglich fällige Zahlungsmittel bereitgestellt, sicher keine Spareinlagen. Das ist der eine Fehler. - - -
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Zitate aus Kommentaren von Wilhelm Schmülling

Sun, 21/05/2017 - 10:07
Der Kapitalismus lebt nur solange,^wie wir ihn nicht durchschauen. Sammlung von Zitaten aus Kommentaren von Wilhelm Schmülling zum Zeitgeschehen - - -

„Es bleibt dabei: Wir alle sind Deutschland – und mit gefangen im System einer ‚kapitalistischen Marktwirtschaft‘. Zur Erhaltung des Systems ‚kapitalistische Marktwirtschaft‘ wird von Hartz IV bis zu Hartz X solange reformiert werden, bis auch der Letzte merkt, dass wir mit polnischen Löhnen keine Vollbeschäftigung erreichen, dass wir mit scharfen Kontrollen dem Polizeistaat näherkommen und dass wir ein Verteilungsproblem haben, nämlich zwischen den Arbeitslosen und Arbeitenden auf der einen Seite und den nicht arbeitenden Kapitalrentnern auf der anderen Seite.“
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„Abwärts mit der kapitalistischen Marktwirtschaft oder aufwärts mit der kapitalismusfreien Humanwirtschaft.“ - - -

„So begrüßenswert ein weltweiter Warenaustausch auch ist, so problematisch ist der Kapitaleinsatz, wenn die Erdkugel als Spielkasino missbraucht wird.“ - - -

Moderne Sklaverei?
„Und doch gibt es immer noch Arme und Reiche. Die Armen müssen arbeiten, die Reichen nicht, sie leben von der Arbeit der Armen mit. Ist das etwas anderes als zu Zeiten der Sklaverei? Die brutalen Sklaventreiber mit der Peitsche sind verschwunden, geblieben sind subtilere Methoden des Arbeitsantriebs: die direkte oder indirekte Verschuldung, der Zwang zur Rentabilität, dem wir angeblich nicht entkommen können. Wir müssen die Globalisierung (die zu einem zügellosen kapitalistischen Wirtschaftssystem wurde) hinnehmen, wie im Altertum die Sklaverei.“ - - -
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„Wir werden reüssieren“ – für Wilhelm Schmülling

Sun, 21/05/2017 - 10:01
Zum Tode von Wilhelm Schmülling - - -

* 26. 11. 1928 in Herringen / Kreis Hamm -- † 26. 3. 2017 in Essen-Kettwig - - -

Als wir im Oktober 2016 die „Mündener Gespräche“ der „Sozialwissenschaftlichen Gesellschaft“ erstmals in der „Silvio-Gesell-Tagungsstätte“ in Wuppertal durchführten, kamen zu meiner großen Freude zwei Weggefährten aus früheren Zeiten: Wilhelm Schmülling und Erich Dalitz. Beide waren sie sichtlich gealtert, aber ihre Augen funkelten wie früher und wie früher beteiligte sich Wilhelm Schmülling noch in seiner gewohnt sachlichen und konzilianten Art an der Diskussion. Trotz seines hohen Alters überraschte mich die Nachricht von seinem Tod und sie weckte mancherlei Erinnerungen an unsere Begegnungen. - - -

Zum ersten Mal sind wir uns in den späten 1970er Jahren in der Silvio-Gesell-Tagungsstätte begegnet. Ich hatte gerade während meiner Zivildienstzeit die Geld- und Bodenreformgedanken kennengelernt und wollte erkunden, was für Menschen mit diesen Gedanken verbunden sein könnten. Also kam ich als noch ganz junger Mann in einen Kreis von überwiegend älteren bis schon recht alten Herrschaften, in dem mir Wilhelm Schmülling sofort angenehm auffiel — nicht nur, weil er noch der mittleren Generation angehörte, sondern auch weil er seine Ansichten mit Überzeugung und ohne jede Rechthaberei vertrat. Als etwa 25-jährigen Friedensbewegten beeindruckte mich sehr, was ich über sein Leben erfuhr. Noch als Jugendlicher war er vom NS-Regime zum Kriegsdienst herangezogen worden und im Alter von 22 Jahren hatte er schon eine fünfjährige Kriegsgefangenschaft überlebt. Seine Erlebnisse im Krieg und in der Gefangenschaft machten ihn zu einem Pazifisten, den dann der Kalte Krieg zwischen den Machtblöcken des kapitalistischen Westens und des kommunistischen Ostens tief beunruhigte. - - -

Nach einer Lehre als Setzer in einer Druckerei übte Wilhelm Schmülling diesen Beruf fortan viele Jahre lang aus und organisierte sich gewerkschaftlich in der damaligen „IG Druck und Papier“. Was ihm realpolitisch als unerlässlich erschien, nämlich die Interessenvertretung der Werktätigen gegenüber dem Kapital innerhalb einer Sozialpartnerschaft von Arbeit und Kapital, erschien ihm in realutopischer Hinsicht noch nicht als die ultima ratio der sozialen und politischen Entwicklung, denn diese Konstellation beruhte weiterhin auf der Konzentration von gewaltigen Kapitalmassen in wenigen Händen. Erstrebenswert erschienen ihm über die betriebliche Mitbestimmung hinaus eine Dezentralisierung des Kapitals und eine breite Streuung des Eigentums an Produktionsmitteln in kleineren und mittleren Größenordnungen, in denen die Menschen selbstbestimmt arbeiten oder sich genossenschaftlich zusammenschließen können. - - -

Durch die „Arbeitsgemeinschaft freiwirtschaftlicher Christen“ (AfC), einer Vorläuferorganisation der „Christen für Gerechte Wirtschaftsordnung“ (CGW), lernte Wilhelm Schmülling 1960 die Geld- und Bodenrechtsreformgedanken von Silvio Gesell kennen. Schon bald erkannte er darin eine Möglichkeit, wie die Gesellschaft zu einem solchen „Wohlstand für alle“ gelangen könnte. Er engagierte sich in der AfC und bald darauf auch in der Partei „Freisoziale Union“ (FSU), die die Geld- und Bodenreform damals im politischen Raum voranbringen wollte. Außer in Hamburg hatte sie in Nordrhein-Westfalen einen größeren Landesverband, weil die Partei dort nach 1945 als „Radikal-Soziale Freiheitspartei“ gegründet worden war. - - -

Seit 1972 gehörte Wilhelm Schmülling dem Vorstand der FSU an und arbeitete neben seiner Familie und seinem Beruf auch häufig in deren Monatszeitschrift „Der Dritte Weg“ mit. Etwa zeitgleich mit der friedlichen Revolution in Mittel- und Osteuropa übernahm er Ende der 1980er Jahre deren Redaktion. Als er wenige Jahre später in Rente ging, entwickelte sich die Redaktionsarbeit zu einem neuen Hauptberuf. Mit einem enormen Einsatz von Zeit, Ideen und Kraft erneuerte Wilhelm Schmülling diese Zeitschrift und vollzog schließlich ihre Lösung von der Partei und die Gründung des „Fördervereins für Natürliche Wirtschaftsordnung“ als neuen überparteilichen Herausgeber. Hinzu kam die Verantwortung, die er gemeinsam mit Gabriele Frenking für den Ausbau der „Silvio-Gesell-Tagungsstätte“ in Wuppertal übernahm. - - -

Durch seine vielfältigen Aktivitäten in der Geld- und Bodenreformbewegung war Wilhelm Schmülling sehr stark vernetzt und vermittelte mir in den ersten Jahren des Aufbaus des „Archivs für Geld- und Bodenreform“ mancherlei Kontakte zu älteren Personen, die wiederum noch Personen aus dem Umfeld Silvio Gesells gekannt hatten wie zum Beispiel dessen Mitarbeiterin Bertha Heimberg, die die NS-Diktatur im britischen Exil überlebt hatte. Mit Schmüllings Hilfe gelang es, deren Nachlass aufzuspüren, der sich dann als eine Fundgrube für Informationen über die Geschichte der Geld- und Bodenreformbewegung erweisen sollte — ebenso wie der durch Schmülling wiedergefundene Nachlass von Elfriede Wenzel, die während der 1950er und 1960er Jahre eine Rolle in der Geschäftsführung der FSU innegehabt hatte. - - -

Die chronische Überlastung durch die Redaktionsarbeit — „Der Dritte Weg“ war damals eine Monatszeitschrift — musste über kurz oder lang zu einem Nachlassen der Kräfte des Redakteurs und zu seinem Wunsch führen, die Verantwortung für die Redaktion in jüngere Hände zu übergeben. In Andreas Bangemann fand er schließlich jenen jüngeren Mitarbeiter, der ihn in zweifacher Hinsicht entlastete. Die „Humane Wirtschaft“, wie „Der Dritte Weg“ alsbald hieß, erschien fortan unter der Leitung von Andreas Bangemann zweimonatlich, denn die andere Hälfte seiner Kräfte braucht er für die Leitung der Silvio-Gesell-Tagungsstätte. - - -

Auch weiterhin schrieb Wilhelm Schmülling noch so manchen Kommentar zum Zeitgeschehen. Erst vor kurzem kritisierte er nochmals das Missverhältnis zwischen der milliardenschweren Bankenrettung und der Abspeisung unzähliger Menschen mit Hartz IV (Nr. 1/2017) und er machte sich Sorgen um Europa nach dem Brexit (2/2016). In besonderer Erinnerung bleiben mir neben den Erinnerungen an unsere persönlichen Begegnungen seine Warnung vor einer stärkeren Abschottung Europas gegenüber Flüchtlingen: „Höhere Grenzwälle an den Küsten Afrikas oder Geldbeträge an die neuen Potentaten, damit sie Auffanglager einrichten? All das sind Maßnahmen, die die Symptome des ungerechten Kapitalismus, aber nicht dessen Ursachen bekämpfen.“ (Nr. 3/2015) „Ohne eine Umwandlung des Kapitalismus in eine bessere Wirtschaftsordnung geht es nicht.“ (2/2016) - - -

Diese Umwandlung der kapitalistischen Marktwirtschaft in eine von monopolistischen Machtgebilden freie Marktwirtschaft mit einer gerechten Rahmenordnung war das Herzensanliegen von Wilhelm Schmülling. An ihr mitzuwirken, machte er sich zu seiner Lebensaufgabe. Dafür gebühren ihm ein großer Respekt und eine große Dankbarkeit. - WERNER ONKEN - - -
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„Happy Banana“ und „Saubräu“ – Pat Christ

Sun, 21/05/2017 - 09:56
„Aktion Agrar“ setzt sich mit fantasievollen Kampagnen für eine „Landwende“ ein - - -

Sie engagieren sich für eine Landwirtschaft, die Menschen, Tieren und Natur gut tut: Seit September 2014 gibt es die Kampagnen-Organisation „Aktion Agrar“ aus dem niedersächsischen Verden. Das Team, dem Jutta Sundermann angehört, versucht, politisch Einfluss zu nehmen. Es fordert Agrarkonzerne heraus und appelliert an Verbraucherinnen und Verbraucher, endlich wegzukommen von Lebensmittel-Schnäppchenkäufen und überbordendem Fleischkonsum. - - -

Die Öffentlichkeitsarbeiterin Jutta Sundermann erklärt: „Uns bewegte bei der Gründung die Frage, wie unsere Ernährung und unsere Landwirtschaft in Zukunft aussehen werden und welche Perspektive es gibt für ein Leben auf dem Land“. Eine Agrarwende ist nach Ansicht der Organisation dringend notwendig. „Im Moment exportieren wir zum Beispiel sehr viel, mit gravierenden Folgen für Menschen in vielen Ländern dieser Welt“, erläutert Sundermann. - - -

Wenige Monate nach der Gründung machte „Aktion Agrar“ mit einer ersten Kampagne auf sich aufmerksam. Es ging um die Düngeverordnung. Diese Kampagne zog sich lange hin. Erst am 16. Februar verabschiedete der Bundestag die Verordnung, die die europäische Nitratrichtlinie in nationales Recht umsetzen soll. Der Bundesrat stimmte der Reform am 10. März zu. - - -

Für „Aktion Agrar“ ist das Thema damit noch nicht gegessen. Die Initiative will dranbleiben und die EU-Kommission an ihre Verantwortung erinnern. „Aufgrund ihrer laufenden Klage gegen die Bundesregierung wegen Verstoß gegen die Wasserschutzrichtlinie muss sie das neue Gesetzespaket absegnen“, erklärt die Organisation. Erste Andeutungen wiesen darauf hin, dass Brüssel mit dem jetzigen Stand der Dinge noch nicht zufrieden ist und Nachbesserungen fordern wird. „Wenn sich die Grundwasserwerte nicht verbessern, wird es für die Wasserwerke immer schwieriger und für die Steuerzahlenden immer teurer, unser Trinkwasser aufzubereiten“, so „Aktion Agrar“. - - -

Gegen Lebensmittelverschwendung - - -

Im Sommer 2015 legte sich die Organisation mit Adrianus Straathof, einem der größten Ferkelproduzenten Europas an. Im Herbst letzten Jahres wurde zusammen mit Bündnispartnern unter dem Motto „Leere Tonne“ eine Kampagne gegen Lebensmittelverschwendung beendet. Alle drei bis vier Monate initiiert die „Aktion Agrar“ eine neue, kreative Kampagne. Dabei tritt das Team mit ungewöhnlichem Material, frechen Videoclips und Mitmachaktionen an die Öffentlichkeit. - - -

„Letztes Jahr kurz vor Weihnachten haben wir die Menschen zum Beispiel aufgefordert, Kekse zu backen und sie in Tütchen mit der Forderung nach ‚freiem Weizen‘ zu stecken“, erzählt Jutta Sundermann. 4.300 Menschen in fast 100 Städten hatten sich an der Aktion beteiligt. Sie kritisierten damit die Forschungsprogramme von Landwirtschafts- und Forschungsministerium für die Züchtung von Hybridweizen. Um gegen Lebensmittelverschwendung zu protestieren, wurde vor einem Jahr ein kamerunisches Start-Up namens „Happy Banana“ erfunden. Das imaginäre Unternehmen warf von vornherein 20 Prozent der Bananenernte weg, um deutsche Supermärkte zu entlasten. - - -

Um darauf aufmerksam zu machen, was Tierfabriken und Kneipen miteinander zu tun haben, wurde der „Saubräu Bierdeckel“ kreiert. Viele Tiere auf engem Raum bedeutet viel zu viel Gülle für die Böden, erläutern die Aktivisten. Diese Überdosis landet im Grund- und Trinkwasser und kann in der Folge auch das Bier verunreinigen. - - -

Immer weniger Höfe - - -

„Mit einem Mahnmal aus hunderten von leeren Gummistiefeln erinnerten wir im Frühjahr 2016 vor dem Landwirtschaftsministerium in Schwerin an die 3.200 geschlossenen Höfe im Jahr 2015“, schildert Sundermann. Wie extrem sich die Landwirtschaft in den vergangenen Jahrzehnten gewandelt hat, ist ein großes Thema der Bewegung. Die Zahl der Betriebe nimmt rapide ab. Ein überschaubares Beispiel gibt der Landkreis Tübingen. 5.874 Betriebe wurden dort 1960 registriert. 1997 war noch ein Fünftel übrig, nämlich genau 1.113. Zehn Jahre später existierten von den Höfen gerade einmal 654. Auch davon starb in der Folge ein Drittel. 2010 war man bei 419 Höfen angelangt. - - -

Und es wird nach den Prognosen von „Aktion Agrar“ weitergehen in Richtung Megaställe, Gentechnik und Monokulturen, wird politisch nicht endlich umgesteuert. Das Höfesterben erscheint als ein von Politik und Agrarindustrielobby forcierter, unheimlicher und unaufhaltsamer Prozess, der in erster Linie zu Lasten der kleinen Betriebe geht. Die Zahl der bäuerlichen Unternehmen mit mindestens 20 Hektar bewirtschafteter Fläche schnellt im Gegenzug immer weiter in die Höhe. - - -

Ziel der „Aktion Agrar“ ist eine Agrarwende hin zu einer ökologisch nachhaltigen, sozial verträglichen und bäuerlichen Landwirtschaft. Dazu könnten Verbraucher eine Menge beitragen. Sie haben es mit in der Hand, wie zum Beispiel Tiere gehalten werden. Würden sehr viele Menschen ihren Fleischkonsum reduzieren und nur noch Fleisch aus tiergerechter Haltung kaufen, bräuchte es keine Tierfabriken und keine Qualzuchten mehr. - - -
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Eine Kontroverse zwischen Idealisten – Hermann Ott

Sun, 21/05/2017 - 09:32
Buchbesprechung von - - -

Gespräche zwischen zwei Männern sind im Regelfall nicht gerade Schätze denen Verlagshäuser nachjagen, um ihre Kassen zu füllen. Mal abgesehen vielleicht von dem seltenen Fall, dass ein richtig „Großer“ spricht und irgendjemand ihm die passenden Stichworte liefert wird normalerweise jede Verlegerin abwinken – zu groß die Gefahr, dass so ein Männergespräch wie Blei in den Regalen liegen bleibt. - - -

Es muss also gute Gründe dafür geben, dass der oekom verlag ein Gespräch zwischen einem sehr alten – aber nicht mehr sonderlich bekannten – Politiker und einem aktivistischen Wirtschaftswissenschaftler für verlegenswert gehalten hat. Den Leser/innen des Postwachstumsblogs wird sich das möglicherweise Spannende eines solchen Gesprächs jedenfalls sofort erschließen. Und so viel sei gleich verraten: Sie werden nicht enttäuscht. - - -

Das liegt mit Sicherheit auch an der guten Moderation durch Christiane Grefe. Sie ist nicht nur eine gute Journalistin und einschlägige Buchautorin, sondern lenkt auch geschickt das Gespräch, so dass sich ein Spannungsbogen ergibt, der die Leser/innen nicht loslässt. Die Gespräche finden im Hause Epplers statt und das „Haus hoch über dem mittelalterlichen Kern seiner Heimatstadt Schwäbisch-Hall“ und auch der Garten, in dem dieser viel Zeit verbringt, spielt eine nicht unwesentliche Rolle. - - -

Die beiden Protagonisten schenken sich nichts. Natürlich besteht eine gewisse Grundsympathie durch die in großen Teilen sehr ähnliche Analyse der ökologischen Probleme und den gemeinsamen Kampf gegen Umweltzerstörung und Wachstumswahn. Doch werden unterschiedliche Positionen klar und mit deutlichen Worten benannt. Diese sind zum Teil dem unterschiedlichen Alter der beiden Protagonisten geschuldet: Während Erhard Eppler durch die Erfahrungen des Krieges und den Wiederaufbau des Landes geprägt wurde, ist Niko Paech ein Kind des beginnenden Überflusses in den späten 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts. Differenzen ergeben sich jedoch auch aus ihren doch sehr verschiedenen gesellschaftlichen Rollen: Hier der früh politisierte Eppler, Bundestagsabgeordneter und Minister, dort der zivilgesellschaftlich geprägte Aktivist, der nicht nur gesellschaftlich, sondern auch in der Wissenschaft ein Rebell gegen die Konventionen ist. - - -

Ein Ausflug in die Entwicklungsgeschichte der deutschen Umweltbewegung - - -

Auf den Unterschieden soll der Schwerpunkt dieser Besprechung liegen – ohne jedoch unerwähnt zu lassen, dass die Leserinnen und Leser ein ziemlich wilder Ritt durch die (Ideen-)Geschichte der Umweltbewegung erwartet, der für sich genommen schon das Lesen lohnt. Es ist hoch spannend, wenn Eppler über seine Wahrnehmung der deutschen und globalen Umweltproblematik in den 70er Jahren erzählt – und über die fatale Nichtbeachtung dieser Thematik durch die SPD und den damaligen Kanzler Schmidt. Auch die Schilderungen seiner Konflikte in der Regierung und wie er auf Linie gebracht werden sollte sind lehrreich. Auf der anderen Seite erfährt man durch Paech viel über die Sozialisierung im Wohlstands-, Atom- und Autobahnland Bundesrepublik Deutschland sowie über die Anfänge der Anti-Atom- und der Umweltbewegung. Auch die Vielfalt der neueren Lebens- und Arbeitsformen kommt nicht zu kurz – Mietsyndikate, Repair Cafés, Urban Gardening, Tauschringe, Regionalwährungen und vieles mehr kommen zur Sprache. - - -
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Ablass und Grundeinkommen – Hinrich Ruyter

Sun, 21/05/2017 - 09:24
Eine Gegenüberstellung zum Reformationsjahr - Hinrich Ruyter - - -

Zum 500sten Reformationsjubiläum erscheint dieser Tage das Buch „Manifest zum Grundeinkommen“ mit 95 Thesen zur Befreiung der Arbeit. Die Autoren, Daniel Häni und Philip Kovce schreiben in der Einleitung: „War zu Luthers Zeiten die Religion lebensprägend, so ist es heute die Arbeit. […] Vor 500 Jahren ergriff Martin Luther eine Selbstbestimmungsinitiative. Seine Thesen (zur Befreiung des Glaubens) wehrten sich dagegen, dass die Kirche […] sich selbst an Gottes Stelle setzte […]. Wer ein selbstbestimmtes Verhältnis zu Gott pflegen kann, der steht ganz und gar anders in der Welt.“ - - -

Das kleine Buch ist bei Ecowin in Salzburg für 8 Euro erschienen, als E-Book für 3,99 Euro. Das Titelbild zeigt die „größte Frage der Welt“ in Deutsch, die am 15. Mai 2016 auf dem größten Plakat der Welt auf der Plaine de Plainpalais in Genf in Englisch ausgelegt war: WHAT WOULD YOU DO, IF YOUR INCOME WERE TAKEN CARE OF? WAS WÜRDEST DU ARBEITEN; WENN FÜR DEIN EINKOMMEN GESORGT WÄRE? Dieselbe Frage lag am 29. Mai in Berlin auf der Straße des 17. Juni, zwischen Siegessäule und Brandenburger Tor. Am 5. Juni 2016 haben dann die Schweizer Bürger mit 23 % dafür gestimmt, dass in die Bundesverfassung aufgenommen wird: „Der Bund sorgt für die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens.“ So weit ist kein anderes Land auf der Welt. - - -

Das neue Buch mit 64 Seiten ist wie der Vorgänger „Was fehlt, wenn alles da ist?“ (192 Seiten, 19,90 Euro) vor allem Denkanstoß, mit überholten oder widersprüchlichen Vorstellungen zu Arbeit, Freiheit und Selbstverantwortung zu brechen. Kecke Fragen und Feststellungen sind das Mittel. Im Prolog enthält das Buch die Aussagen von sieben bekannten Leuten zum Grundeinkommen, dann Ausführungen zur größten Frage der Welt. Der Hauptteil nennt auf 23 Seiten kurz und prägnant die „95 Thesen zur Befreiung der Arbeit“. Zum Schluss wird ausgeführt, warum es noch kein Grundeinkommen gibt. Und es sagen acht normale Bürger und Bürgerinnen, wie ihre Lebenssituation ist, und was das Grundeinkommen dabei verändert hätte oder ändern würde. Das Buch wird die zurzeit weltweit zunehmende Diskussion der Grundeinkommens-Idee nähren. Es ist zu wünschen, dass es in andere Sprachen übersetzt wird.
Ist es überheblich, Thesen zum Grundeinkommen Luthers Thesen gleichzustellen? Was sind die Gemeinsamkeiten, wo sind Gegensätze? - - -

Ganz klar: Wenn wir 100 Jahre vorausdenken, möchte ich das dann weltweite Grundeinkommen als mindestens so revolutionär ansehen, wie die Reformation nur einer der unzähligen Kirchen und Religionen der Welt. Sowohl beim Grundeinkommen wie bei der Reformation ging und geht es um Freiheit, im Kampf gegen Macht und Machtmissbrauch. Hier gegen die Macht der selbsternannten Vertreter Gottes, dort gegen die Macht von Regierungen und Drahtziehern. These 62 von Häni/Kovce drückt das vortrefflich aus: „Das Demokratieverhängnis – Wer anstelle des schlechten Bürgers gute Entscheidungen treffen will, der trifft eine schlechte Entscheidung. Der Anfang vom Ende des mündigen Bürgers.“ Diese These und ca. 37 weitere richten Häni und Kovce an unsere Politiker. Die meisten anderen an den Bürger, das Volk. - - -

Martin Luther soll 1517 seine Thesen an die Kirchentür der Schlosskirche in Wittenberg angeschlagen haben. 95 Thesen gegen den Ablass, welche die Grundlage für eine gelehrte Disputation sein sollten. Luther übersandte die Thesen am 31. Oktober 1517 an den Erzbischof von Mainz, von dem er glaubte, er wisse nichts vom Missbrauch des Ablasses. Lateinisch waren sie, das gemeine Volk hätte sie nicht verstehen können. Englisch war die größte Frage der Welt in Genf und in Berlin, aber um weltweit vom Volk verstanden zu werden. Deutsch ist das neue Buch. Die Thesen Luthers wurden – entgegen seiner ursprünglichen Absicht – ins Deutsche übersetzt und verbreiteten sich deshalb schnell im Volk. Nur so und mit Hilfe des damals noch nicht lange eingeführten Buchdrucks kam die Reformation in Gang. Ob sie durch gelehrte Disputation hätte entstehen können? Talkshows (auch die zum Grundeinkommen) lassen daran zweifeln.
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Ökonomie anders denken – Dietrich Heißenbüttel

Sun, 21/05/2017 - 09:17
Dem Extraktivismus entgegenwirken - Eine viertägige Veranstaltung in Stuttgart fragt nach der Rolle der Kunst beim Versuch, Ökonomie anders zu denken - - -

Der Aufstand in Syrien, Assads Krieg gegen sein Volk, Islamischer Staat und Al-Nusra, Flüchtlingskrise, AfD: Wie hat das alles angefangen? Es gibt sicher mehr als einen Grund. Zweifellos spielte die Unzufriedenheit mit dem autokratischen System eine Rolle, das aber seit langer Zeit bestand: von einem Putsch 1949 über Hafis al-Assad bis hin zu dessen Sohn Baschar ab 2000. Es sind aber vor allem wirtschaftliche Gründe, die 2011, im Zuge des Arabischen Frühlings, trotz Bespitzelung und Verfolgung der Opposition, zu Massendemonstrationen führten. Seit jeher hatten die Regierenden die städtischen Eliten bevorzugt und die Landbevölkerung vernachlässigt: Eine Minderheit lebte nach europäischen Standards, während eine wachsende Unterschicht am Hungertuch nagte. Flüchtlinge aus dem Irakkrieg und eine zunehmende Landflucht aufgrund drei aufeinander folgender Dürrejahre, bedingt durch den Klimawandel, ließen die Spannungen weiter anwachsen. - - -

Mohammad Abu Hajar, Musiker und Wirtschaftswissenschaftler, der sich in seiner Masterarbeit mit den ökonomischen Auswirkungen von Einwanderung beschäftigt hat, sieht die wichtigste Ursache allerdings in der neoliberalen Agenda, die Baschar al-Assad seit der Aushandlung eines Assoziierungsabkommens mit der Europäischen Union 2004 verfolgte. Dass das Abkommen am Ende nicht unterzeichnet wurde, hat nichts mit ökonomischen Differenzen zu tun, sondern mit Abrüstungsforderungen im Zuge der damaligen amerikanischen Politik, die Syrien einer „Achse des Bösen“ zuordnete. Europa war Syriens wichtigster Handelspartner, 60 Prozent der Exporte gingen in die EU, ein Drittel der Importe kamen von dort. Durch den Freihandel sollte alles besser werden. Doch statt eines versprochenen Wirtschaftswachstums von jährlich 7 bis 8 Prozent verlangsamte sich dieses in den folgenden fünf Jahren auf 3,8 Prozent. Die Zahl der Menschen, die von weniger als einem Dollar am Tag leben mussten, verdoppelte sich. Die Preise stiegen um 180 Prozent. - - -

Die viertägige Veranstaltung, auf der Abu Hajar diese Zahlen präsentiert, nachdem er einleitend zu einem Video in arabischer Sprache gerappt hat, steht unter dem Titel „Ökonomien anders denken.“ Sie versteht sich als „Gipfeltreffen“ der Stuttgarter Kultur und setzt einen ersten Akzent zur Neueröffnung des zentral gelegenen Kunstgebäudes am Schlossplatz, das drei Jahre lang vom Landtag okkupiert war. „Das erste Gipfeltreffen“, heißt es in der Ankündigung, „beschäftigt sich mit alternativen Ansätzen zum neoliberalen, auf Algorithmen, Schulden und dem Mythos eines unerschöpflichen Wachstums basierenden Finanzkapitalismus. Wie lassen sich dessen abstrakte Strukturen entlang ihrer eigenen Widersprüche lesen, verstehen und uminterpretieren? Welcher kollektiven wie individuellen Widerstandsformen bedarf es, um den bestehenden Ungerechtigkeiten, Ausbeutungs- und Zerstörungsmechanismen etwas – jenseits populistischer Verzerrungen – entgegenzusetzen?“
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Ökonomisches Prinzip – Christoph Köhler

Sun, 21/05/2017 - 09:11
Ökonomisches Prinzip – Arbeitsteilung – Globalisierung: Der Mensch bleibt auf der Strecke - - -

Die Volkswirtschaftslehre geht von drei, sehr diskussionsbedürftigen Grundannahmen aus: dem ausschließlich auf seinen eigenen Vorteil bedachten homo oeconomicus, der Unendlichkeit der Bedürfnisse und der Knappheit der meisten Ressourcen. Wenn diese durchaus zweifelhaften Grundannahmen zutreffen, dann erscheint das daraus geschlussfolgerte Ökonomische Prinzip die zwangsweise einzige sinnvolle menschliche Handlungsweise darzustellen: Der wirtschaftlich handelnde Mensch versucht mit minimalem Einsatz von Mitteln den maximalen Nutzen zu erzielen. Und dies bezieht sich nach Ansicht der Wirtschaftswissenschaftler sowohl auf sein unternehmerisches Handeln, als auch auf sein Verhalten im Privaten. - - -

Als Beispiel für das Minimalprinzip kann auf den Schüler verwiesen werden, der mit minimalem Aufwand versucht das vorgegebene Notenziel zu erreichen. Als Beispiel für das Maximalprinzip, die zweite Ausprägung des ökonomischen Prinzips, könnte der Haushalt genannt werden, bei dem man in zwei Stunden versucht, möglichst viel der zu erledigenden Aufgaben abzuarbeiten. - - -

In zwischenmenschlichen Beziehungen zerstörerisch - - -

Aber schon im Privaten zeigt sich, dass die Nutzenmaximierung nicht das einzige Kriterium für das eigene Verhalten ist. Die Wenigsten versuchen beim Autofahren mit einer bestimmten Benzinmenge möglichst viele Kilometer zu hinterlegen. „Sportliches Fahren“, Gedankenlosigkeit, Bequemlichkeit bestimmen das Handeln mehr als das ökonomische Prinzip. Der Genuss, die Sinnhaftigkeit des eigenen Tuns, Gelassenheit im Handeln spielen für viele Menschen in ihrem Verhalten eine weit größere Rolle als Effizienz und Zielgerichtetheit. In der zwischenmenschlichen Beziehung wirkt ein Verhalten nach dieser Maxime eher zerstörerisch. Geschäfte zwischen Bekannten zermürben Freundschaften, wenn einer oder mehrere der Beteiligten sich wie der homo oeconomicus verhalten. - - -

Vorwiegend wo Geld eine Rolle spielt, kommt das ökonomische Prinzip gut an. „Geiz ist geil“ zielt auf den Geldbeutel des Privaten – im doppelten Sinne. Mit Zuneigung in einer Partnerschaft zu geizen ist wohl eher wenig attraktiv. Selbst möglichst wenig Empathie zu zeigen, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen macht jede Beziehung schon mittelfristig kaputt. Anders in der Wirtschaft! Möglichst viel – möglichst billig. Unsere Wirtschaft ist darauf angewiesen, dass das Handeln nach dem ökonomischen Prinzip bis in die Haushaltskasse hinein seine Wirkung entfalten kann. Nur so kann der Mensch als Konsument gewonnen werden, der immer mehr will und dadurch die großen Profite erst ermöglicht. - - -

Nur nutzenorientiert? - - -

Werte laufen dem ökonomischen Prinzip zuwider. Auf der einen Seite konterkariert das ökonomische Prinzip jedes Leben nach moralischen Vorstellungen. Nicht ohne Grund verweist die Bundeszentrale für Politische Bildung darauf, dass Umweltbewusstsein aufgrund des ökonomischen Prinzips sich in einem Handeln des Menschen in den seltensten Fällen widerspiegelt. So mag er vielleicht um sein umweltschädigendes Verhalten wissen, würde aber im konkreten Fall immer nach dem ökonomischen Prinzip handeln und damit ein umweltverträgliches Handeln hintenanstellen. Und Fair Trade findet nur geringen Anklang, weil die Mehrheit der Menschen im Privaten ebenfalls versucht, mit minimalem Einsatz von Geld die gewünschten Artikel zu kaufen. Das Wohlergehen des Anderen spielt bei der eigenen Nutzenmaximierung scheinbar keine Rolle. - - -
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Schwerter Erklärung – Stiftung Trias

Sun, 21/05/2017 - 09:02
Eigentum verpflichtet – mehr Boden für das Gemeinwohl - - -

Die Schwerter Erklärung wurde auf der „Bodentagung“ der Stiftung trias, die am 30./31. März 2017 in Schwerte (NRW) stattfand, erarbeitet. Die Stiftung trias ist Initiatorin und Schirmherrin dieser Erklärung. - - -

Die Spekulation mit Grund und Boden gefährdet zunehmend den sozialen Frieden. Boden ist eine endliche Ressource. Wohnen und der Zugang zu Boden ist nur noch mit entsprechend großer finanzieller Ausstattung möglich. Dabei treten Nachbarschaftsinitiativen und gemeinnützige Projekte gegen das globale Finanzkapital an. Die Frage „Wem gehört die Stadt?“ stellt sich heute mit besonderer Dringlichkeit. Und obwohl das Grundgesetz in Artikel 14 mit „Eigentum verpflichtet“ das Leitziel für eine gemeinwohlorientierte Entwicklung vorgibt, sieht die Realität in Deutschland aktuell ganz anders aus. Dem Auseinanderdriften der Bodenpreise ist abzulesen, dass der Markt in seiner Regulierungsfunktion versagt: Leerstand und Verfall in den schrumpfenden Regionen, Kampf um jeden Quadratmeter in den Metropolen. Bodenbesitz ist die zentrale Eigentumsfrage und muss heute wieder stärker mit Blick auf das Wohl der Allgemeinheit und als ein den Eigentümer aktiv verpflichtendes Natur- und Sozialgut bemessen werden. Boden ist das notwendige Fundament für das Gemeinwohl, Boden ist Zukunft! - - -

Boden dem Markt entziehen - - -

Wir stehen vor gewaltigen Herausforderungen in zentralen Bereichen der Gesellschaft. Der Zerstörung der Natur durch fortschreitende Landnahme und der zunehmenden Ungerechtigkeit durch die Dominanz des Marktes kann nur mit Strukturen begegnet werden, die Grund und Boden dauerhaft der Spekulation entziehen. - - -

Mehr Boden für Projekte der Zivilgesellschaft - - -

Lösungen für die aktuellen Fragestellungen bedürfen der Beteiligung und der Innovationskraft der Zivilgesellschaft. Für ihre sozialen Alltagslaboratorien der Kooperation und des Zusammenlebens benötigt sie Räume, die aber werden immer knapper. Wir fordern eine aktive kommunale Liegenschaftspolitik, die den Zugang und das Nutzungsrecht an Boden auch für die Zivilgesellschaft sicherstellt. Vorkaufsrechte sollen die Vergabe von Boden an gemeinwohlorientierte Projekte und Initiativen ermöglichen. - - -

Kommunen als verantwortliche Träger einer aktiven Liegenschaftspolitik - - -

Der städtische Boden wurde von den Kommunen zur Haushaltssanierung weitgehend verkauft. Kommunale Planungs- und konkret beeinflussbare Handlungsspielräume sind dadurch verloren gegangen. Die Rekommunalisierung, das Vorkaufsrecht für Kommunen und die gezielte Bodenvorratspolitik müssen wieder gestärkt werden. Das allgemeine Wohl ist durch die konsequente Anwendung vorhandener Instrumente des Baugesetzbuches durchzusetzen. Soweit notwendig muss das Gesetz zugunsten solcher Eingriffe weiterentwickelt werden. Die Transparenz über Handel mit Grund und Boden ist eine notwendige Voraussetzung für einen gerechten Umgang. Grundstückseigentümer und Eigentümerwechsel sind, wie bspw. in Basel-Stadt (Schweiz), öffentlich bekannt zu machen. - - -

Nutzung vor Rendite - - -

Wir fordern kommunales Bodeneigentum mit langfristigen Zielen zur Nutzung und deutlich häufiger im Erbbaurecht zu vergeben. Die Vergabepraxis Hamburgs und Münchens mit Anhandgaben und Konzeptvergaben ist hier wegweisend. - - -

Stärkung gemeinwohlorientierter Bodenfonds - - -

In den Städten und auf dem Land bedarf die Konkurrenz um Flächen einer neuen Strategie. In der Stadt ist Boden knapp und überteuert, im landwirtschaftlichen Bereich werden durch Versiegelung, intensive Landwirtschaft und außerlandwirtschaftliche Investoren die Pacht- und Kaufpreise so weit hochgetrieben, dass eine konsequent ökologische – und damit Natur und Gesellschaft dienliche Landwirtschaft – nicht mehr konkurrieren kann. Neue Formen des solidarisch-gemeinschaftlichen Grunderwerbs müssen befördert werden. - - -

Bodenfonds sichern das Gut „Boden“ gegen das Marktgeschehen ab und ermöglichen die Nutzung für soziale, ökologische und am Gemeinwohl orientierte Entwicklungen. Wir fordern die Einrichtung landwirtschaftlicher und städtischer Bodenfonds und ihre Förderung durch die öffentliche Hand. Dabei soll auf bestehende Strukturen wie Stiftungen, Genossenschaften, kommunale revolvierende Bodenfonds und andere zivilgesellschaftliche Projekte aufgebaut, sollen bestehende Kooperationen verstärkt und Instrumente für die Grundausstattung der Bodenfonds entwickelt werden. Fiskalerbschaften, leistungslose Planungswertgewinne und Teile des Bodenwertzuwachses sind für Bodenfonds zu nutzen. - - -
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Der Sinn, die Technik… – Gero Jenner

Sun, 21/05/2017 - 08:53
... und warum die Zeit der „Führer“ zurückkommt - - -

Im Zusammenleben der Nationen wird Stärke durch zwei Vorzüge bestimmt, die man – je nachdem – auch als Waffen bezeichnen kann: durch Technik einerseits, durch Sinn auf der anderen Seite, beide von gleicher Wirkmächtigkeit. - - -

Technik - - -

Einfach ist es, über Technik zu sprechen: Sie umfasst alle Vorgänge und Instrumente, mit denen der Mensch die Natur in Gegenstände zu seinem Schutz und Wohlergehen verwandelt. Die Technik, die eine Nation zu diesem Zweck innerhalb eines Jahres mobilisiert, lässt sich in Zahlen fassen: Sie wird im „Brutto-Inlandsprodukt“ quantifiziert. Die Gesamtheit an technischer Leistung, welche einen Staat über Jahrzehnte und Jahrhunderte zu dem heranwachsen lässt, was er im Vergleich zu anderen repräsentiert, ist schwerer zu quantifizieren. Ihren für jedermann sichtbaren physischen Ausdruck findet sie in der Summe aller privaten wie öffentlichen Bauwerke, Produktionsstätten, Transportwege und -mittel, welche das historische Erbe eines Staates und die Grundlage aller darauf stattfindenden Aktivitäten bilden. - - -

Sinn - - -

Demgegenüber ist es weitaus schwieriger, über den Sinn zu reden, obwohl es genau dieser ist, welcher allen technikbezogenen Handlungen zugrunde liegt, den kleinsten wie den größten. Ein Messer, ein Auto, eine Bombe stellt der Mensch allein deswegen her, weil er sein Leben mit solchen Hilfsmitteln entweder erleichtern will oder schützen. Immer ist zuallererst ein solcher Sinn oder Zweck vorhanden – wie abstrus er manchmal auch erscheinen mag. Auch Massenvernichtungswaffen, mit denen die Menschheit ihr eigenes Leben bedroht, sind zweifellos sinngeboren. Jede Nation, die dieses mörderische Potential fortentwickelt, ist auf Anhieb in der Lage, das eigene Tun mit einem anscheinend unwiderleglichen Sinn zu rechtfertigen. Der Sinn nimmt in der Regel religiöse oder ideologische Züge an, oft besteht er auch nur in der elementaren Loyalität zur eigenen Gruppe oder Nation. Seit der industriellen Revolution wird er in manchen Staaten vor allem darin gesehen, aus einer materiell wenig entwickelten Position mit aller Kraft zur höchst entwickelten aufzurücken. China und Indien haben die eigene Bevölkerung weitgehend auf diesen eindimensionalen Sinn eingeschworen. - - -

Keine Nation wird allein durch Technik groß, sondern wenigstens ebenso durch den Sinn, wobei es keinesfalls einfach ist, die jeweilige Rolle der beiden Sphären klar gegeneinander abzugrenzen. Zweifellos ist die messbare ökonomische und militärische Macht eines modernen Staates durch Technik bedingt. Wo diese fehlt, kann von solcher Macht keine Rede sein. Südkorea gehört aus diesem Grund zu den starken Mächten, während das zwanzig Mal größere Algerien vergleichsweise schwach ist. Es ist die durch Technik geschaffene materielle Basis, die im ersten Fall stark entwickelt ist, im zweiten Fall dagegen nur rudimentär vorhanden. - - -

Soweit scheint die Ausgangslage übersichtlich zu sein. Sie ist es aber weit weniger, sobald man einen Blick in die Geschichte wirft. Denn diese beweist mit einer Fülle von Beispielen, dass auch die stärkste materielle Basis keine Garantie für bleibende Stärke ist. Sie ist es genau deswegen nicht, weil der Sinn im Leben der Nationen eine so beherrschende Rolle spielt.

Sinnverfall im römischen Weltreich - - -

Das römische Reich war in technisch-materieller Hinsicht eines der stärksten politischen Gebilde, welche die Welt jemals entstehen sah. Der Zusammenbruch des Reichs im fünften Jahrhundert, der schließlich auch den Verfall der materiellen Basis bewirkte, wurde zwar äußerlich durch den Einfall der „Barbaren“ bewirkt, aber dass das Reich aus einer erobernden zu einer eroberten Macht werden konnte, beruhte auf einem inneren Sinnverlust: Große Bevölkerungsteile unterhalb der führenden Elite fühlten sich dem Staat nicht mehr zugehörig. Man suchte Zuflucht in einem privaten Sinn; verschiedene Religionen stritten sich zunächst um den Vorrang, bis dieser Kampf mit dem Sieg des Christentums schließlich entschieden wurde. All diesen Gegenentwürfen war das eine gemeinsam, dass die Menschen ihren Lebensmittelpunkt nicht mehr in der Res Publica und ihren Verheißungen auf Macht und Größe der öffentlichen Sphäre erblickten, sondern in einem privaten Glauben und weltfernen Jenseits. Die Rebellion kam von unten: Wäre es nach den Eliten gegangen, dann gäbe es das römische Reich auch heute noch – es waren die rebellierenden Massen, welche das Gebäude zum Einsturz brachten. - - -

Sinnverfall im Habsburger Vielvölkerstaat - - -

Auch der Habsburger Vielvölkerstaat, bis zum Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts eines der materiell fortschrittlichsten Machtgebilde, zerbrach an der Auflösung eines öffentlichen Sinnbezugs. Die Loyalität gegenüber dem durch den Kaiser symbolisierten Reichsmittelpunkt wurde mehr und mehr abgelöst durch die Loyalität zur jeweils eigenen nationalen Gruppe und deren Sprache und Tradition. Zentrifugale Tendenzen drängten die lange Zeit vorherrschenden zentripetalen Kräfte in den Hintergrund. Man kann auch sagen: Der staatserhaltende Sinnbezug, welcher die verschiedenen Völker des Reichs bis dahin zusammenfasste, wich einer Vielzahl von partikularistischen Sinnbezügen. Der Widerstand kam von unten. Wäre es nach den Eliten gegangen, so würde das Reich der Habsburger auch heute noch existieren – es waren die rebellierenden Massen, welche das Gebäude zum Einsturz brachten. - - -
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